Ein privater Bauherr erwarb das letzte freie Grundstück eines Neubaugebiets in Mainz und trat unmittelbar nach dem Kauf an uns heran. Angebote lagen ihm zu diesem Zeitpunkt bereits vor, sowohl aus dem Fertighaussegment als auch von planender Seite. Alle folgten derselben Systematik: ein vorgefertigter Grundriss, konzipiert für die ebene Wiese, der anschließend in das vorhandene Gelände eingepasst wird. Nach genau diesem Prinzip war die gesamte Nachbarschaft entstanden. Das Ergebnis ist bis heute an der Straße ablesbar, nahezu identische Baukörper mit nahezu identischen Grundrissen.
Erschwerend kamen zwei Gegebenheiten hinzu, die das Grundstück für die Standardlösungen unattraktiv machten: eine ausgeprägte Hanglage und der Wendehammer der Erschließungsstraße direkt an der Grundstücksgrenze. Der Bauherr formulierte seinen Anspruch daher klar. Er wollte kein Haus von der Stange, sondern ein Gebäude, das zu seinem Grundstück gehört und sich in der Straße behauptet.
Diese Haltung ist keine reine Geschmacksfrage, sondern wirtschaftlich begründet. Wird ein Standardgrundriss nachträglich in ein Gefälle gesetzt, entstehen immer dieselben Folgen: ein Untergeschoss ohne Aufenthaltsqualität, Wohnfläche, die im Erdreich verschwindet, und ein Baukörper, der auf dem Grundstück steht statt aus ihm heraus entwickelt zu sein.
Bereits bei der gemeinsamen Ortsbegehung wurde deutlich, worin der eigentliche Hebel liegt. Wir haben das Gefälle nicht als Hindernis aufgenommen, sondern als Planungsgrundlage. Die maßgebliche Frage lautete nicht, wie sich ein Haus in den Hang stellen lässt, sondern wie viel Geschossigkeit und Wohnfläche aus dem vorhandenen Baurecht herauszuholen sind, wenn man dem Hang konsequent folgt.
Unser Entwurf sieht vier Halbgeschosse im Split-Level-Verfahren vor, versetzt entlang der Topografie. Trauf- und Firsthöhe haben wir dabei bis an die zulässige Grenze ausgereizt. Auf demselben Grundstück, mit demselben Baurecht, entstehen so mehr nutzbare Ebenen und mehr Wohnfläche, als es die benachbarten Standardlösungen erreichen.
Die Erschließung haben wir außen geführt. Eine seitlich um den Baukörper gelegte Treppe erschließt den Eingang, die Mülltonnen sind hinter der Bepflanzung integriert und belasten den Ankommensbereich nicht. Die Zufahrt zur Garage haben wir aus der Geometrie des Wendekreises heraus entwickelt und architektonisch aufgenommen, statt sie als Restfläche zu behandeln.
Auch die Belichtung folgt der konkreten Lage und nicht einem Schema. Auf der Nordseite haben wir Dachflächenfenster in einem eigenen Format gesetzt, weil der Blick auf dieser Seite unmittelbar ins Grüne geht. Nach Süden öffnet sich das Haus zum Garten und zur Sonne. In der Fassade arbeiten wir bewusst mit einem unregelmäßigen Fensterraster. Das ist kein Selbstzweck, sondern erzeugt genau das ruhige und harmonische Gesamtbild, das ein streng gerastertes Standardhaus nicht liefert.
Die Nutzungen verteilen sich ebenenweise über die vier Halbgeschosse. Auf der Ankommensebene liegen Eingang, Garderobe und Haustechnik, ergänzt um einen kleinen Aufzug, der alle Ebenen erschließt. Auf der Gartenebene befinden sich Wohnen, Kochen und Essen, wobei der Essbereich auf ausdrücklichen Wunsch des Bauherrn als geschlossener Raum ausgebildet ist und der Außenbereich direkt angebunden wurde. Das Obergeschoss nimmt die Rückzugsräume auf. Die oberste Ebene ist vollständig dem Masterbereich vorbehalten, mit Ankleide, Masterbad und Arbeitszimmer.
Der Bauherr erhielt ein Haus, das aus seinem Grundstück entwickelt wurde und nicht darauf abgestellt ist. Die Hanglage, die bei den vorherigen Ansätzen als Problem behandelt wurde, liefert in unserem Entwurf die zusätzliche Geschossigkeit.
Konkret bedeutet das mehr Ebenen, mehr Wohnfläche und kurze Wege im Inneren, da zwischen den Halbgeschossen jeweils nur ein halber Treppenlauf liegt. Der Aufzug hält das Gebäude über Jahrzehnte nutzbar, auch bei veränderter Lebenssituation.
Hinzu kommt ein Effekt, der sich erst später auszahlt. In einer Straße aus weitgehend baugleichen Häusern ist dieses Objekt das einzige seiner Art. Für eine spätere Veräußerung heißt das: kein direktes Vergleichsobjekt in unmittelbarer Nachbarschaft. Ein Projekt, das zeigt, dass ein vermeintlich schwieriges Restgrundstück mit Hang und Wendehammer keine Einschränkung ist, sondern der Grund, warum am Ende mehr entsteht als nebenan.
Erzähl uns kurz von deinem Projekt. Wir sagen dir ehrlich, was drin ist – zum Festpreis, ohne Fachchinesisch.
Vielen Dank für deine Nachricht! Wir bearbeiten dein Anliegen und melden uns in Kürze.
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